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18
Juni

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Afrika-Tag am Konrad‑Klepping‑Berufskolleg setzt starke Impulse für globales Lernen

Rund 140 Schülerinnen und Schüler tauchten am Konrad‑Klepping‑Berufskolleg in sieben vielfältige Workshops ein – von Wasser und Wirtschaft bis zu Mode, Musik und Sprache – und unterstützten dabei das Partnerschaftsprojekt Shangilia.

Mit großer Resonanz hat das Konrad‑Klepping‑Berufskolleg den diesjährigen Afrika‑Tag am 10. Juni gestaltet. Etwa 140 Teilnehmende beschäftigten sich in insgesamt sieben Workshops mit aktuellen Themen und Perspektiven des afrikanischen Kontinents. Ziel war es, Wissen zu vertiefen, Stereotype zu hinterfragen und zugleich das Schulpartnerschaftsprojekt Shangilia zu stärken.
Inhaltlich reichte die Bandbreite von einem Workshop zum Thema “Wasser” über “Africa positive” bis hin zu “Fast Fashion” und Fragen der Wirtschaft. Ebenso gefragt waren ein UNO‑Planspiel, der Input von Ndedi Achale, ein Kurs ‚African Kauderwelsch‘ sowie die energiegeladene Session ‚Power of Drums‘.

Dass an einem Berufskolleg Klassen aus ganz unterschiedlichen Bildungsgängen an einem gemeinsamen Thema arbeiten, ist keine Selbstverständlichkeit. Beim Afrika-Tag des Konrad‑Klepping Berufskollegs trafen Berufsfachschülerinnen und -schüler, die die Fachoberschulreife anstreben, auf Auszubildende der Kaufleute im Dialogmarketing — gemeinsam erarbeiteten sie ein neues Bild von Afrika. Angehende Industriekaufleute diskutierten mit Lernenden aus den Internationalen Förderklassen die Folgen schnelllebiger, billig produzierter Mode. Und künftige Fachkräfte für Kurier-, Express‑ und Postdienstleistungen erhielten zusammen mit Schülerinnen und Schülern, die das Abitur anstreben, Einblicke in das wirtschaftliche Potenzial des afrikanischen Kontinents.

Zum Auftakt beleuchtete Anja Faber, Vorsitzende von Shangilia Deutschland e.V. und Mitgründerin der Vermittlungsagentur SpringboardKenia, Bildung als Weg aus der Armut. Anhand der überarbeiteten Bildungspläne Kenias zeigte sie sowohl Fortschritte als auch verbleibende Probleme auf. Entscheidend sei nicht allein der bloße Schulbesuch oder die Menge an Lehrmaterialien, sondern die Qualität der Lehrerausbildung, guter Unterricht und verlässliche organisatorische Rahmenbedingungen.

Konkrete Maßnahmen hätten bereits Wirkung gezeigt: Die Senkung von Schulgebühren führte zu mehr Einschulungen, verbesserte Hygienebedingungen erleichterten Mädchen den Schulbesuch, Gesundheitsprogramme und nahrhafte Schulmahlzeiten steigerten die Anwesenheit. Faber illustrierte ihre Ausführungen mit fünf Lebensläufen — von einer Friseurin über eine Schweißerin bis hin zu einem Ingenieur für erneuerbare Energien — und machte so sichtbar, wie Bildung jungen Menschen aus Nairobis Slums einen Neustart ermöglicht hat. Ein Teilnehmer wird künftig über SpringboardKenia in Deutschland eine Pflegeausbildung beginnen.

„Ob in Kenia oder in Deutschland: Niemand sucht sich seine Startbedingungen aus. Wer Verantwortung übernimmt, aktiv wird und trotz Rückschlägen weitermacht, verbessert seine Chancen deutlich — vor allem mit Unterstützung“, schloss Faber und gab damit zugleich ein Plädoyer für Bildungsinvestitionen und vernetzte Hilfe.

Mit großem Engagement vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der anschließenden Workshop‑Phase unterschiedliche Facetten Afrikas — von Wasserknappheit über Modefragen bis zu Sprache und Musik.

Im Workshop der well:fair‑Foundation stellte Anna‑Samira Jarrar das Lebenselixier Wasser in den Mittelpunkt. Während der Zugang zu sauberem Wasser hierzulande oft selbstverständlich ist, müssen Menschen in einigen Ländern bis zu sechs Kilometer laufen — und erhalten dann nicht selten verschmutztes Wasser. Solche Kontraste sensibilisierten die Teilnehmenden für ihren eigenen Umgang mit Wasser und dessen gesellschaftliche Bedeutung.

Kritische Reflexion stand beim Format „Africa Positive“ im Fokus. Karima Liebeck und Emilie‑Sophie Knospe vom gleichnamigen Verein aus Dortmund führten durch ein interaktives Quiz und eine lebhafte Diskussion, die bestehende Bilder vom Kontinent hinterfragten und neue, differenziertere Blickwinkel eröffnete.

Beim Workshop „Fast Fashion“ diskutierten die Anwesenden persönliche Konsumgewohnheiten und problematische Produktionsbedingungen. Moderatorin Laura Stertenbrink, Lehrerin für textiles Gestalten und mit praktischer Erfahrung aus einer nachhaltigen Schneiderei in Malawi, thematisierte Dumpinglöhne, lange Arbeitszeiten, gesundheitliche Risiken durch Chemikalien und die Rolle billiger Vermarktungsplattformen wie Shein.
Die wirtschaftlichen Chancen Afrikas beleuchtete das Format „Afrika als aufstrebender Wirtschaftspartner“. Der Leiter des Referats Innovation, Industrie und Internationale Netzwerke der IHK — zugleich Mitverantwortlicher für das Deutsch‑Afrikanische Wirtschaftsforum in Dortmund — zeigte Potenziale und Kooperationsfelder zwischen Unternehmen und Märkten auf.

Interkulturelle Kompetenz erlebten die Teilnehmenden praktisch in einem UNO‑Planspiel: Es machte zum einen das Konfliktpotenzial sichtbar, das entsteht, wenn unterschiedliche Regeln aufeinandertreffen, und zum anderen zeigte es, wie wertschätzende Kommunikation als Türöffner funktionieren kann. Workshopleiterin Ndedi Achale vertiefte diese Erfahrungen mit Übungen zu Konfliktfähigkeit im internationalen Miteinander.
Sprache als Brücke behandelte der Workshop „African Kauderwelsch“. Germana Rodriguez‑Saporito erarbeitete gemeinsam mit den Schülern Abdikhaliq Ismail Farah und Alphonso Junior Gbanamou einen kleinen Notfall‑Sprachführer für die erste Reise nach Afrika. Alltagssätze in Somali und Malinke wurden geübt — „Muttersprache geht ins Herz und zeigt Respekt“, lautete das Fazit.

Musik als verbindende Kraft bildete den Abschluss mit dem bereits neunten „Power of Drums“‑Workshop. Unter Leitung des Musikers und Theaterpädagogen Joseph Mahame konzentrierte sich die Gruppe diesmal auf Emotionen. Die Trommelperformance der Teilnehmenden demonstrierte eindrücklich, wie Rhythmus Gemeinschaft stiftet, Grenzen überwindet und Menschen zusammenbringt — begleitet von tosendem Applaus.

Charmant und souverän führten die Schülerin Fatima El Bachiri und die Schüler Nabil Oukakak sowie Osama Echafai El Ouakili durch den Tag. Für das leibliche Wohl und den Verkauf von Kunsthandwerk aus dem Slum sorgten Beyzanur Aktas, Nora Selmani und Dean Jacob. Der gesamte Erlös wurde selbstverständlich dem Shangilia-Projekt gespendet.
Das Projekt Shangilia stand als roter Faden über dem Programm: Durch Informationen, Austausch und konkrete Unterstützungsaktionen wurde deutlich, wie schulische Bildungspartnerschaften gelebte Solidarität fördern und zugleich globale Zusammenhänge sichtbar machen.
(Hans-Jürgen Schophuis)