« Alle News

10
Juni

0

Zwölfter Afrika-Tag am Konrad-Klepping-Berufskolleg: Ein nachhaltiges Zeichen für Vielfalt und Verständigung

In sechs Workshops verschafften sich rund 150 junge Menschen am KKB einen neuen Blick auf den zweitgrößten Kontinent der Erde.

Der Blick nach Afrika soll kein einmaliger sein. An diesen Wunsch erinnerte Andrea Schendekehl, die Schulleiterin des Konrad-Klepping-Berufskollegs, zu Beginn des diesjährigen Afrika-Tags die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses besonderen Ereignisses, das am 20.05.2025 bereits zum zwölften Male stattfand. Ein Wunsch, der beim ersten Afrika-Tag am KKB im Jahr 2012 von den damaligen Teilnehmern geäußert wurde und in den nachfolgenden Jahren in Erfüllung ging: Der Afrika-Tag und der Einsatz für „Shangilia Deutschland e.V.“ sind ein fester Bestandteil des Schullebens, durch eine Patenschaft ermöglicht es das Kollegium einem jungen Menschen in Kenia bereits zum fünften Mal, eine wertschätzende Erziehung zu erfahren und eine nachhaltige Ausbildung zu absolvieren – die Basis für ein selbstbestimmtes Leben.
Am dritten Dienstag im Mai kamen Schülerinnen und Schüler, die aus unterschiedlichen Bildungsgängen stammen und normalerweise keine Berührungspunkte haben, zusammen, um sich „Impulse für ein neues Afrikabild“ – so das Motto dieses besonderen Tages – zu holen: Berufsfachschüler(innen), die die Fachoberschulreife anstreben, arbeiten mit angehenden Industriekaufleuten und Fachkräften für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen zusammen. Junge Menschen, die das Abitur oder die Fachholschulreife im Blick haben, engagieren sich gemeinsam mit den Auszubildenden im Büromanagement sowie den Schülerinnen und Schülern aus den Internationalen Förderklassen in Workshops, die von Bildungspartnern durchgeführt werden, die schon lange mit der Schule verbunden sind.
Anja Faber, erste Vorsitzende von „Shangilia Deutschland e.V.“ sowie Mitgründerin und -inhaberin von „SpringboardKenia“, einer Vermittlungsagentur, die jungen Kenianern den Sprung in eine Pflegeausbildung in Deutschland ermöglicht, referierte zu Beginn über das aktuelle und hochsensible Thema „Migration: Fluch oder Segen?“. Rechtliche, humanitäre, politische und soziale Aspekte sowohl in den abgebenden als auch den aufnehmenden Ländern prallen aufeinander – Migration ist ein hochkomplexes Thema mit vielen Interdependenzen, das wurde in dem Vortrag eindrücklich deutlich. Angriffe auf Menschenrechte und Menschenwürde, vielfältige Fluchtursachen wie Dürre, (Bürger-)Krieg, Korruption, sexuelle Ausbeutung, begrenzter Zugang zu Bildung und Krediten sind nur einige der Faktoren, die Menschen dazu veranlassen, ihre Heimat zu verlassen. Eine Information führte den Auszubildenden und Schüler(inne)n besonders plastisch vor Augen, was es bedeutet, in einem Slum in Kenia zu leben: 80 €. Das ist das durchschnittliche monatliche Einkommen in Nairobi. Und 30 €. Das kostet eine Hütte in einem Slum in Nairobi jeden Monat. Wie sollte es vor diesem Hintergrund möglich sein, ein hohes Schulgeld zu zahlen? Fragen und Gedanken, die sich aus der geschilderten Situation ergeben, und Lösungsansätze für die komplexe Situation bildeten den Schluss des anschaulichen und nachdenklichen Vortrags, der abgerundet wurde von Videobotschaften dreier junger Menschen aus Kenia, die mittlerweile in Deutschland leben und den Zuhörern Folgendes ans Herz legten: Offenheit, Freundlichkeit, „weniger Papierkram“ und Freude über die Demokratie in Deutschland.
Mit bemerkenswertem Engagement befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der anschließenden Workshop-Phase mit den unterschiedlichsten Facetten dessen, was Afrika ausmacht. Das Lebenselixier Wasser stand im Mittelpunkt des „Wasserhelden“-Workshops, der mittlerweile fest integriert ist in den Afrika-Tag am KKB und bereits zum dritten Mal von Anna-Samira Jarrar (well:fair-Foundation) geleitet wurde. Wie wichtig der Zugang zu sauberem Wasser ist und welche Bedeutung er auch für Bildung und Ausbildung haben kann, erfuhren die jungen Menschen unter anderem durch eine Zahl: In Äthiopien beträgt der Weg, der zu Fuß zurückgelegt werden muss, um an schmutziges [!] Wasser zu gelangen, sechs Kilometer.
Karima Liebeck und Emilie-Sophie Knospe von „Africa positive“ initiierten in ihrem Workshop ein kritisches Nachdenken über das Afrikabild in deutschen Köpfen. Mit einem interaktiven Quiz und in einer angeregten Diskussion erweiterten die Teilnehmer(inne)n ihr Wissen und Verständnis vom afrikanischen Kontinent und gelangten so zu einem neuen Blick auf Afrika, den Zukunftskontinent. In ihrem Workshop „Interkulturelle Kompetenz“ sensibilisierte Ndedi Achale kompetent und souverän für Konflikte im internationalen und interkulturellen Miteinander; durch den Einsatz eines UNO-Spiels erfuhren die Schülerinnen und Schüler wertschätzende Kommunikation als Türöffner.
Um Sprache ging es auch in einem weiteren Workshop: „African Kauderwelsch“. Germana Rodriguez-Saporito erarbeitete – unterstützt von den Schülern Abdoulaye Sylla und Maryam xxx – einen kleinen Notfallsprachführer für die erste Reise nach Afrika. Wichtige Redewendungen für das alltägliche Leben wurden (in Fula und Zuzu) erarbeitet. „Muttersprache geht ins Herz und zeigt Respekt“, so lautete das Fazit. „Einblicke in den ent-wicklungspolitischen Freiwilligendienst“ konnte man im Workshop von Josephine Walter und Marc Noelken gewinnen, die beide ein halbes Jahr im Straßenkinderprojekt „Shangilia“ in Nairobi gelebt und gearbeitet haben. Hinbringen und Mitnehmen, das ist das, was den Beiden von ihren sechs Monaten in einer fremden Kultur in Kenia immer in Erinnerung bleiben wird.
Bereits zum achten Male gab es den Workshop „Power of Drums“, der vom Musiker und Theaterpädagogen Joseph Mahame geleitet wurde und wieder einmal unter Beweis stellte, dass Musik die Herzen öffnet, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt, Grenzen überwindet und die Menschen miteinander verbindet. Und warum ist das so? Weil Musik nichts anderes ist als Emotion. Damit ist sie jeder KI überlegen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Trommelworkshops stellten diese Erkenntnis, die sie Elon Musk voraushaben, zum Abschluss des Afrika-Tages in einer mitreißenden Darbietung unter Beweis und wurden von tosendem Applaus belohnt.
Juliane Wolke, Cem Göleli und Pharell Okwuosa, Schüler des Konrad-Klepping-Berufskollegs, führten mit einer charmanten Moderation durch diesen besonderen Tag, der von Hans-Jürgen Schophuis wieder mit viel Herzblut auf die Beine gestellt und den Schülerinnen und Schülern von „fair4you“ erneut in kulinarischer und kunsthandwerklicher Hinsicht unterstützt wurde.
Und so wurde auch der zwölfte Afrika-Tag am KKB das, was die Schulleiterin allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Beginn gewünscht hatte: lebendig, schön und erkenntnisreich.

(Dorothée Verfürth, Helge Bröckelmann)